„St. Elisabeth“: Warum Bürger-Initiativen für den Kreis keine Ansprechpartner sind „Grevenbroich bleibt Standort eines Notarzteinsatzfahrzeuges“

Grevenbroich · Es hat lange gedauert, aber in dieser Woche hat Bürgermeister Klaus Krützen Post von der Geschäftsführung des „Rheinland-Klinikums“ bekommen. Zentraler Inhalt des Schreibens, das am Mittwoch auch der Redaktion des Erft-Kurier vorlag: Die Notfallambulanz soll zum 1. Juli geschlossen werden. Parallel machte der Kreis auf eine entsprechende Anfrage deutlich: Bürger-Initiativen sind nicht sein erster Ansprechpartner …

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke: „Der Standort Grevenbroich spielt auch zukünftig eine starke Rolle in der Notfallversorgung.“

Foto: RKN.

Nicole Rohde, Geschäftsführerin des „Rheinland-Klinikums“, gab an Krützen die bekannten Positionen weiter: Die Notfallambulanz und stationäre chirurgische Eingriffe soll es bald nicht mehr am „St. Elisabeth“-Krankenhaus geben. Stattdessen soll es ein „altersmedizinisches-internistisches Zentrum“ (mit Onkologie) geben. Stichtag soll der 1. Juli sein. Rohde schließt – leicht gönnerhaft – mit den Worten: „Diese Information soll Ihnen zugleich dazu dienen, Ihre Gremien bei Bedarf zu informieren.“

Mit anderen Worten: Die Geschäftsführung sieht derzeit wohl keine Notwendigkeit, die Grevenbroicher Politiker oder gar Bürgervertreter im direkten Gespräch über die Planungen zu unterrichten.

Letzteres sieht der Rhein-Kreis laut seiner Antwort auf eine Anfrage der Kreistagsfraktionen von SPD und „Grünen“ ähnlich: Es sei „bei allem Verständnis für den Wunsch engagierter Bürger, sich je nach persönlicher Interessenlage oder Betroffenheit in einzelne Themenfelder einbringen zu wollen, nicht praktikabel, Vertreter von Bürger-Initiativen oder anderer Gruppierungen an einem derartigen Entscheidungsprozess jeweils zu beteiligen. Dazu gibt es klare Zuständigkeiten.“

Letztlich erscheine eine Beteiligung von einzelnen Interessenvertretern auch nicht zielführend. „Die Ursache für eine Umstrukturierung des ,Rheinland-Klinikums‘ ist nicht in den Wünschen einzelner Beteiligter zu suchen, die man den Wünschen oder Interessen anderer Gruppierungen gegenüberstellen und mit ihnen abwägen könnte, sondern ergibt sich aus der zwingenden Notwendigkeit einer dauerhaft gesicherten Finanzierung des Gesamtunternehmens, wenn die Standorte des ,Rheinland-Klinikums‘ überhaupt erhalten werden sollen“, so das Resümee des Kreises.

Konkret bedeutet dies: Die Notfallambulanz muss schließen; „Kompensationsmaßnahmen im Rettungsdienst“ sollen die Lücken schließen. In diesem Sinne hat die Kreisverwaltung Gespräche mit der AOK Rheinland und den Trägern des Rettungsdienstes in Grevenbroich und Rommerskirchen aufgenommen.

In seiner Antwort auf die Anfrage von SPD und „Grünen“ verspricht der Landrat: „Der Standort Grevenbroich spielt auch zukünftig eine starke Rolle in der Notfallversorgung“. Dafür werde die „Kassenärztliche Vereinigung“ weiterhin ihre Notfallpraxis am Standort betreiben. Weitere Gespräche würden mit dem Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung geführt.

Und: „Grevenbroich ist und bleibt Standort eines Notarzteinsatzfahrzeuges. Der Notarzt wird vom ,Rheinland-Klinikum‘ gestellt. Das Fahrzeug wird vom DRK-Kreisverband Grevenbroich betrieben. Damit ist sichergestellt, dass im Notfall mit einer Hilfsfrist von acht bis zwölf Minuten ein Notarzt vor Ort ist.“ Die Patienten würden sodann nach Stabilisierung und Erstversorgung in das für die Versorgung qualifizierte Krankenhaus transportiert. Aufgrund der etwas längeren Bindungszeit würden im Zusammenspiel von Landkreis und den Rettungsdiensten auch Kapazitätserweiterungen vorgenommen. „Damit ist die Notfallversorgung der Bevölkerung auch bei einem Wegfall der Notfallambulanz dauerhaft und rund um die Uhr gewährleistet.“

Die Mitarbeiter, die noch in der Ambulanz des „St. Elisabeth“ beschäftigt sind, können beim „Rheinland-Klinikum“ zur Verstärkung in Neuss weiter beschäftigt werden.

Sobald die ersten Sondierungen mit den Kassen abgeschlossen sind, soll es „ein belastbares Konzept“ geben, „welches eine genaue Aufstellung von Art und Anzahl der zusätzlich erforderlichen Fahrzeuge enthält, die für eine Kompensation der Schließung der Notfallambulanz durch den Rettungsdienst erforderlich sind und von den Kostenträgern mitgetragen würden“.

Die Gespräche ergaben auch, dass „derzeit noch ungenutzte Vorhaltestunden“ (36 an der Zahl) in der Übergangsphase genutzt werden sollen, um den Rettungsdienst auch für Grevenbroich und Rommerskirchen zu sichern. Außerdem will man als neue Technik einen so genannten „Notfall-Krankentransportwagen“ ausprobieren.

Das alles trägt der Kreis in seiner Stellungnahme zu der besagten Anfrage mit einer großen Sicherheit vor, die darauf schließen lässt, dass die Zustimmung des Landes-Gesundheitsministers (MAGS) zu diesen Umstrukturierungen erwartet wird.