Klaus Lüttgen startet morgen vom Düsseldorfer Flughafen in seinen „Ei-Trip“ Nicht Bären machen ihm Angst, sondern die Mücken. Und der Prärie-Gegenwind.

Grevenbroich/St John · „Es wird nicht unschwierig“, lächelt Klaus Lüttgen ein wenig unsicher. Er steht vor dem Trip seines Lebens: Mit dem Fahrrad von Neufundland zu den Inuit in Alaska (wir berichteten). Hinterm Rad, an der eigenhändig verstärkten Deichsel, das aussageträchtige Ei, farbenfroh gestaltet von Mariska Eyck aus den Niederlanden.

„Mein ehemaliger Kollege Wolfgang Komanns aus Kapellen fackelt nicht lange, wenn es um die Umsetzung einer Idee geht: Als ich vor einigen Monaten in seine Werkstatt kam, legten wir gleich los. Aus meiner Idee entstand, zunächst an seiner Hobelbank gedreht, die Grundform für das Ei aus Mammut-Holz. Nun, einige Zeit später, hat Wolfgang eigens für das Ei ein Nest in seinem Garten gebaut“, berichtet uns Klaus Lüttgen (l.). Und er fügt an: „Ich sitze auf dem fertiggestellten Ei – einer Einzelanfertigung,vom Familienunternehmen ,Lettmann Boote’ in Moers, eigens für mich und mein Projekt ,People Get Ready’ hergestellt.“

Foto: KV/Lüttgen/Gerhard P. Müller/Lüttgen

Es ist nicht sein erster Trip – weder mit dem Holland-Rad noch durch Amerika. Seine kleinen und großen Touren sind immer Berichte wert, nicht zuletzt auch, weil Klaus Lüttgen stets seinen ganz persönlichen Blick auf die erradelte „Welt“ mit im Gepäck hat.

In den vergangenen Wochen hat er mit Rad und Ei „Probetouren“ gemacht, ist mit Gepäck mehrmals an die 50 Kilometer, einmal auch 70 Kilometer gefahren. Eine Erkenntnis: Der ungefähr 30 Kilogramm schwere Trinkwasser-Sack muss ganz hinten im Ei liegen. Denn nur dann ist die Straßenlage gut.

Denn – und das weiß der mutige Rentner schon jetzt – die Straßenbeschaffenheit wird nicht immer gut sein. Auf der „Route 2“, vor allem aber auch dem „Dempster Highway“ (auch „Yukon Highway 5“) erwarten ihn extreme Schlamm- oder Holperstrecken.

Sorgen mache er sich, so berichtet er kurz vor der Abreise dem Erft-Kurier, nicht vor Begegnungen mit Bären. „Die größten Sorgen macht mir der Gegenwind in den Prärien. Und vor den Mücken habe ich Angst“, gesteht Lüttgen.

Allerdings wird er sich ihnen des Öfteren stellen müssen. So erzählt er vom „Highway 17“, den er eigentlich meiden möchte, weil der sehr verkehrsreich ist. Deshalb will er einen kleinen Schlenker fahren, der ihn dann aber voll ins Mücken-Gebiet führt.

„Ich werde viel im Busch pennen“, erzählt er weiter. Er habe zwar vier Jahre für den „Eier-Trip“ gespart, aber er sei nicht „der reiche Mann, der auf Reisen geht“. Deshalb hoffe er auch, das ein oder andere Mal sein Zelt im „Vorgarten“ eines netten Kanadiers oder Amerikaners aufschlagen zu können.

Wobei Klaus Lüttgen gespannt ist auf die neuen USA unter Donald Trump. „Der hat ja ein Eier-Problem“, lacht er. Und findet diesen Lieferengpass ganz nett, wo er doch sein buntes Ei 4.700 Kilometer durchs Land ziehen will, um darauf aufmerksam zu machen, wie wenig rücksichtsvoll der Mensch mit der Natur umgeht ...

Am 4. Oktober will er vom Flughafen Whitehorse den Rückflug nach Düsseldorf antreten. Dann soll die Mammutstrecke bewältigt sein. „Ich weiß, dass ich das schaffe. Ich zieh´ das durch“, verspricht er. Und bevor er in der (gegen)windigen Prärie übers Abbrechen nachdenken würde, würde er mal ein kurzes Stück mit der Bahn fahren.

Die Grevenbroicher können sich übrigens über rocktheroads.com über sein Fortkommen informieren. Und natürlich wird auch der Erft-Kurier immer wieder berichten.