SPD-Spitze: Schon mit Berliner Staatssekretär über Klinik-Neubau gesprochen Telemedizin: Der Professor sitzt in den USA und operiert bei uns im Revier!

Grevenbroich · Noch vor gut einem halben Jahr gab niemand auch nur einen Pfifferling für den Plan, anstelle des auf drei Standorte verteilten „Rheinland-Klinikums“ eine neue, zentrale Großklinik zu bauen. Mittlerweile hat der so genannte „Mertens-Plan“ prominente Unterstützer gefunden und wurde auch in der Gesprächsrunde zwischen den „Süd-Bürgermeistern“ und der Klinikum-Leitung positiv gesehen.

Macht es Sinn die beiden Krankenhäuser in Grevenbroich und in Hackenbroich durch einen super modernen Neubau auf der grünen Wiese zu ersetzen?

Foto: RKN

So bestätigte zum Beispiel Geschäftsführerin Nicole Rohde, dass dieser schon vor fünf, sechs Jahren sinnvoller gewesen wäre. Und hätte helfen können, die heutigen Probleme zu mildern oder gar zu verhindern.

Und auch Landrat Hans-Jürgen Petrauschke wird mit den Worten zitiert, man habe sich „damals falsch entschieden“.

Inzwischen hat es übrigens schon ein Zoom-Gespräch mit Dr. Edgar Franke, seines Zeichens Staatssekretär im Bundes-Gesundheitsministerium, gegeben, das von Daniel Rinkert (SPD-Bundestags-Abgeordneter) eingefädelt wurde und an dem sowohl Rommerskirchens Bürgermeister Martin Mertens als auch sein Grevenbroicher Amtskollege Klaus Krützen teilnahmen.

Das Kreis-Krankenhaus Hackenbroich.

Foto: Rheinland-Klinikum

In dem Gespräch fiel der Hinweis auf den 50 Milliarden Euro schweren „Transformations-Fond“, der eine 50-prozentige Bundesförderung möglich mache, wenn denn die überzeugenden Argumente geliefert würden.

Die sahen die drei SPD-Politiker durchaus. Denn immerhin müsse die medizinische Versorgung für den Süden des Rhein-Kreises, aber auch für die Städte Bedburg und Bergheim sichergestellt werden.

Wie ist es um die Zukunft des „Rheinland-Klinikums“ bestellt?

Foto: Rheinland-Klinikum

„In der neuen Klinik wäre eine ganz moderne Medizin möglich. Dafür könnte ein ganz anders aufgestelltes Gebäude errichtet werden“, argumentiert Martin Mertens. Ein wichtiges Stichwort: Telemedizin.

In dem Zoom-Gespräch ging man von einem Investitionsvolumen von 500 Millionen Euro aus, von denen 50 Prozent wie gesagt vom Bund gefördert werden könnten.

Für die restlichen 250 Millionen könnten die Vermarktung der 1a-Lage des Grevenbroicher Krankenhauses (siehe auch Argumentation Rainer Thiel), die Einsparung der fälligen Sanierungskosten und eine Beteiligung des Rhein-Erft-Kreises verrechnet werden. Vor allem aber verweisen Mertens & Co. auf weitere Mittel, die bereits für den Strukturwandel zur Verfügung stehen.

Da gibt es den Cluster „Medizin/Medizintechnik“, der bis dato eigentlich nur im Aachener Raum bespielt wird. Lege man einen Schwerpunkt auf die Telemedizin, eröffneten sich gleich neue Möglichkeiten, betont Mertens. Immerhin würden die künftig kommenden Hyper-Scaler für schnelles Internet sorgen „und dann kann der Professor in den USA sitzen und hier bei uns eine Operation leiten“.

Solche Vorstellungen seien „nicht nur Visionen, sondern schon denkbar“. Mit einem entsprechenden Forschungsschwerpunkt für die neue Klinik sei auch eine universitäre Anbindung denkbar.

Für die Zusammenarbeit mit dem Rhein-Erft-Kreis spreche auch, dass es bereits erste Gespräche gegeben hätte, um im Bereich der Bevölkerungsschutzzentren an einem Strang zu ziehen.

Selbst Neuss´ Bürgermeister Reiner Breuer hatte sich einem solchen Neubau in der freitäglichen Gesprächsrunde nicht entgegengestellt. Jedenfalls so lange er „sein“ Lukaskrankenhaus behalten könne.

Martin Mertens: „Perspektivisch hätten wir dann zwei Krankenhäuser im Rhein-Kreis: eines in Neuss und eines im Süden, wobei das Lukaskrankenhaus den deutlich höheren Sanierungsbedarf hat.“ Das wäre übrigens auch wichtig, weil es dann zwei Notfallambulanzen im Kreis geben würde.

Das einzige Problem: Die neue Klinik würde wohl erst zwischen 2030 bis 2035 in Betrieb gehen können. „Wir werden doch wohl in fünf, sechs Jahren den Bau hinkriegen“, zeigt sich der Gillbach-Bürgermeister absolut überzeugt.

Erster Schritt würde eine Machbarkeitsstudie werden.

Und der konkrete Standort müsste dann idealerweise im Grevenbroicher Süden oder in Rommerskirchen gefunden werden ..