Diese Sätze aber finden gleich eine zweifache Fundamentierung: Zum einen ging es schon Karl-Heinrich Müller, dem Begründer der „Museumsinsel Hombroich“ und der heutigen „Raketenstation“, nicht darum zu „gefallen“, sondern er wollte „inspirieren“.
Er lud Künstler dazu ein, auf Insel und Raketenstation zu wohnen (so wie es Komponist Christoph Staude noch heute tut). Und er wollte „herausfordernde Musik“. Die Konzerte waren schon immer kostenlos, „weil er nicht sicher war, ob die Leute für diese Art von Musik zahlen würden“, wie Wiertz griemelnd anmerkt.
Klarinettist Jonathan Leibovitz ist der „upcoming Star“ an diesem Musikinstrument, „den wir irgendwie hierher gelockt haben“. Er bestreitet (zusammen mit Cellist Maciej Kulakowski) die „Klangwanderung“ am Pfingstmontag um 17 Uhr, die „ein außerordentlich anregendes, überraschendes Unternehmen zu werden verspricht“. Allen avantgardistischen Strömungen gehe er ganz bewusst aus dem Wege.
Foto: Hoogen/div.Das zweite Fundament für die Eingangssätze ist die Tatsache, dass während des „Insel-Festival“ zeitgenössische Musik gespielt wird, wie sie aktueller nicht sein könnte. Da ist zum Beispiel das „Trio Recherche“, das am Pfingst-Sonntag „ein strenges Programm mit zeitgenössischer Musik“, „einen echten Satz für die Ohren“ präsentiert.
Helmut Lachenmann kommt dabei mit seinem neuen „Streichtrio Nr. 2“ zu Wort, das das Trio erst vor wenigen Monaten in Donaueschingen uraufgeführt hat und das es seitdem rund um den Globus präsentiert. Wie gesagt: Zeitgenössischer geht es nicht mehr!
Dr. Rainer Wiertz (kleines Foto oben) gibt zu, dass er sich selbst an die oder andere Komposition erst heranarbeiten musste. Aber: „Wir sind keine Volkshochschule. Deshalb gibt es bei uns auch keine Einführungen. Die Zuhörer sollen offenen Herzens und offenen Kopfes ins Konzert gehen und sich packen lassen. Das funktioniert mal. Und mal nicht.“
Statt der Einführungen gibt es quasi „Nachbereitungen“ im „Café Biemel“, wo bei einem kleinen Imbiss Besucher und Künstler sich begegnen können. Das „Insel-Festival“, das alle zwei Jahre stattfindet, kann übrigens auf jeweils mehr als tausend Besucher (in zehn Konzerten) verweisen. „... und alle sind erfüllt nach Hause gegangen“, so Dr. Michael Werhahn vom „Verein zur Förderung des Kunst- und Kulturraumes Hombroich“.
Das vollständige Programm finden Sie auf https://www.erft-kurier.de/grevenbroich/19-insel-festival-spuren-des-spirituellen_aid-88824813.