Jüchen. Es könne viele Gründe geben, warum ein Kind kurzfristig aus seiner eigenen Familie herausgenommen werden müsse: „Es gibt viele, die es nicht gelernt haben, Eltern zu sein. Oder die auch einfach mal in eine Krise geraten“, erzählt Sira Z. Oft hätte das Jugendamt schon Kontakt zu diesen Familien. Nicht immer gehe es um Kindsgefährdung, Drogen oder andere Formen von Kriminalität.
Diese Kinder, die mitunter „schon traumatisiert“ sind, müssen dann kurzfristig untergebracht werden. Bei Eltern der Bereitschaftspflege. „Wir wurden regelrecht durchleuchtet“, erinnert Sira Z. sich an das sechsmonatige Bewerbungsverfahren. Nicht nur das polizeiliche Führungszeugnis, die ärztliche Bescheinigung, clean zu sein, und eine psychologische Beratung gehörten dazu. Auch die Finanzen mussten sie und ihr Ehemann offenlegen. „Die wollten sehen, dass wir nicht auf das Geld angewiesen sind“, begründet Sira Z. In Grevenbroich verfügt das Jugendamt übrigens über vier Bereitschaftspflegeplätze; weiterer Bedarf wird dann über freie Träger gedeckt.
Sira Z. ist seit vier Jahren aktiv. Fünf Kinder wurden ihr anvertraut; der Zeitrahmen ging von fünf Wochen bis zu knapp zwei Jahren. Und genau das ist das Problem: Die Bereitschaftspflege ist für einen Zeitraum von drei bis höchstens sechs Monate vorgesehen. Dann soll feststehen, ob das Kleine zurück in die eigene Familie kann oder ob es in eine Dauerpflege gegeben werden muss.
In der Realität dauert das Verfahren allerdings länger. Deutlich länger. „Ich kann über kein Jugendamt was Schlechtes sagen“, schränkt Sira Z. ein. Wenn aber die Jugendämter nicht allein entscheiden können, wenn Familiengerichte und Gutachter eingeschaltet werden müssen, kommt es zu Verzögerungen. Und das oft in der Prägephase der Kinder.
Siras aktuelles Pflegekind kam mit sechs Wochen, wuchs seitdem in der Familie auf. „Der kennt ja nichts anderes“, seufzt die Pflegemutter. Umso schwieriger wird es da natürlich, ihn zurückzuführen ... www.openpetition.de/petition/online/schnellere-entscheidungen-fuer-das-kindeswohl